Der Videobeweis – Ein Meisterwerk der Technik?

Thomas Jacob 21/11/2019


Mit dem Videobeweis gehören strittige Szenen in der Welt des Sports endgültig der Vergangenheit an. Der Tüchtige und Ehrliche wird belohnt. Nie wieder wird eine Fehlentscheidung über Sieg oder Niederlage entscheiden. So hat man sich das zumindest vorgestellt, als das International Football Association Board im Jahr 2018 den VAR, kurz für Video Assistant Referee, eingeführt hat. Doch ist das System wirklich unfehlbar oder hat sich im Grunde gar nicht so viel geändert? Am Ende entscheidet ja immer noch der Mensch, welche Entscheidung wirklich getroffen wird.

Wann wird der Videobeweis eingesetzt?

Videobeweis FussballBei dieser Frage stellt man bereits fest, dass es wohl auch in Zukunft trotz VAR zu Fehlentscheidungen kommen kann und der Schiedsrichter deshalb auf dem Platz weiterhin hellwach sein muss. Denn auf den kleinen Mann im Ohr kann sich der Referee nicht in jeder Szene verlassen. Der VAR soll demnach wirklich nur dann eingesetzt werden, wenn es darauf ankommt, ob es sich beispielsweise nach einem Schuss um ein Tor oder keins handelt, da dieses oft über Sieg oder Niederlage entscheidet. Szenen, in denen es im Fußball auch um Millionenbeträge gehen kann. Schließlich kann ein Favoritentipp durch eine Fehlentscheidung des Schiedsrichters auch mal danebengehen, was wirklich ärgerlich sein kann.

Dafür ist der Schiedsrichter auf dem Rasen per Funk mit dem Videoassistenten verbunden. Dieser entscheidet dann, ob eine Szene noch einmal überprüft werden muss, weil sie am Monitor ganz anders wahrgenommen wird. Zudem kann der Schiedsrichter jederzeit zum Spielfeldrand gehen und sich gewisse Situationen noch einmal vor Augen führen.

Wie entscheidend so ein VAR manchmal hätte sein können, wird vor allem bei Fehlentscheidungen in der Vergangenheit deutlich. Ein gutes Beispiel aus Deutschland ist das Pokalfinale von 2014. Damals trafen die Bayern auf Dortmund. Mats Hummels brachte den BVB durch einen regulären Treffer mit 1:0 in Führung. Bayern-Verteidiger Dante kickte das Leder aber knapp hinter der Torlinie zurück ins Feld. Der Schiedsrichter und sein Assistent einigten sich im Bruchteil einer Sekunde auf „kein Tor“. Das Spiel ging in die Verlängerung und die Münchner gewannen am Ende mit 2:0. Ein weiteres Beispiel ist der Treffer der Engländer gegen Deutschland bei der WM 2010 in Südafrika. Auch hier war der Ball ganz klar hinter der Linie. Trotzdem forderte der Schiedsrichter die Mannschaften auf, ohne Tor weiterzuspielen. Das kann man zumindest als späte Revanche für das legendäre Wembley-Tor sehen. Die Mutter aller Fehlentscheidungen im Fußball.

Die Kritik bleibt

Es sind aber nicht nur diese Szenen, weshalb der Videobeweis immer noch kritisch betrachtet wird. Frankfurts Sportvorstand Fredi Bobic brachte es erst kürzlich auf den Punkt. Die Diskussionen, ob Fehlentscheidung oder nicht, sollten eigentlich weniger werden. Doch genau das Gegenteil ist der Fall. Jetzt lassen sich zwar Sachverhalte durch ständige Wiederholungen leichter beweisen, doch dann stellt sich wieder die Frage, warum kommt der Videoschiedsrichter nicht bei jeder strittigen Szene zum Einsatz?

Auch das lässt sich beantworten. Es raubt der Partie einfach den Spielfluss. Die langen Pausen zur Videoanalyse nehmen dem Fußball die Magie, von der er einst gelebt hat. Spieler bejubeln ein Tor, nur damit der Treffer nach zwei Minuten wieder aberkannt werden kann. Oder soll man seine Freude zukünftig zurückhalten, bis die Aufnahmen analysiert und ausgewertet wurden? Diese Diskussionen wird es wohl noch lange geben, bis die Technik derart ausgereift ist, dass Entscheidungen in Sekunden und nicht Minuten überprüft werden können.

Wie ist es in anderen Sportarten?

Schiedsrichter PfeifeAber warum wird der VAR nur im Fußball so heiß diskutiert? In anderen Sportarten wie Eishockey, im Football oder beim Tennis hat sich der Videobeweis längst bewährt. Das trifft auch auf den Handball zu, wo das System vor allem in der hitzigen Schlussphase einer Partie manchmal unumgänglich ist. Ein Beispiel für so eine spannende und hektische Schlussphase stellt das Spiel zwischen dem THW Kiel und dem HC Motor Saporoschje Anfang des Monats, über das auch bet365, ein Anbieter für Online-Wetten, berichtet hat. Vor allem in solchen Spielsituationen, ist es immer gut, mit VAR ausgestattet zu sein.

Die Sportarten kann man jedoch hinsichtlich der Nutzung von VAR nur bedingt miteinander vergleichen. Während im Fußball die Uhr in Echtzeit abläuft und die verronnene Zeit im Ermessen des Schiedsrichters nachgespielt wird, gibt es im Tennis beispielsweise überhaupt keine festgelegte Spieldauer. Entsprechend lange könnte man sich theoretisch mit der Auswertung des Videobeweises Zeit nehmen. Beim Eishockey oder im Football wird die Zeit angehalten. Zudem haben sich die Systeme in diesen Sportarten bereits seit Jahren etabliert. Dorthin muss der Fußball erst noch kommen und auch der letzte Fan überzeugt werden.

Der technologische Fortschritt wird auch vor dem VAR nicht Halt machen. Vielleicht steht irgendwann überhaupt kein menschlicher Schiedsrichter mehr auf dem Feld. Es wird alles nur noch per Fernanalyse entschieden. Ob der Geist des Sports dadurch erhalten bleibt, darf zumindest am Beispiel Fußball bezweifelt werden.

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