Handwerker? Achso, diese komischen Blaumänner…

Daniel 03/09/2010


Die Gesellschaft in Deutschland ist einfach nicht mehr zu verstehen und das Verhalten der hochmütigen, der nasenachobentragenden, der eingebildeten und egoistischen Menschen absolut nicht mehr nachvollziehbar. Dabei habe ich doch erst in meinem zweiten Blog geschrieben, dass 73% der Deutschen mit Handwerkern zufrieden sind.

Ich muss an dieser Stelle wirklich mal meinen Gedanken freien Lauf lassen und alles in die Welt posaunen. Mich kneift es gerade tierisch im Po und bekomme Juckreiz bei solchen Menschen. Wie kann es sein, dass 73% der Deutschen zwar mit Handwerken zufrieden sind, aber in der Gesellschaft abgestuft und miserabel behandelt werden. Du trägst einen Blaumann und wirst von oben herab angeschaut.


Die Menschen starren dich an, wenn du mal sparen willst und dir deshalb eine “Ja-Cola” kaufst, oder du einfach mal deinen Handyvertrag ändern möchtest, weil dir dein Tarif zu teuer ist und es sonst nur reine Abzocke wäre. Wisst ihr was einige Menschen dabei gerade denken oder denen durch den Kopf geht? Ich kann es euch sagen. Mimik und Gestik von Menschen ist eindeutig und  oft leicht zu verstehen. Sie denken dabei: “Als Handwerker kann man sich anscheinend nicht viel leisten… was ein armer Schlucker…”.

Vielleicht ist dieser Blogbeitrag ein wenig drastisch, doch auch in Facebook habe ich meiner Wut mal freien Lauf gelassen. So schrieb ich:

“mich Nerven die Menschen, welche abwertende Blicke gegenüber Handwerkern haben, als wären wir unterbelichtet und man müssen uns von oben herab behandeln…”

Ein Freund schrieb dazu eine wirklich sehr gute Antwort:

“Das Handwerk ist die Basis unserer Wirtschaft ohne diese, wären wir nicht einer der Top-Export Nationen weltweit, die wir heute sind. Erst durch das Handwerk, greifen alle übergreifenden Berufe, wie teils die kaufmännischen die die Produkte verwalten und verkaufen, erst ein. Klar ist es schade das manche Leute denken, nur weil eine Person mit Kraft, Schweiß und Händen arbeitet, wahrscheinlich nicht genug Grips hat um mit seinem Kopf Geld zu verdienen. Das ist ganz und gar nicht der Fall.”

Sicherlich sind nicht alle Menschen so, aber man begegnet sehr oft dieser hier angesprochenen Spezies und ehrlich gesagt ist es traurig. Ich wüsste gerne, was diese Menschen machen würden, wenn Handwerker eben nicht mehr bei Problemen zu ihnen nach Hause kommen würden. Könnt ihr diese Meinung mit mir teilen? Ist euch diese Art Mensch auch schon über den Weg gelaufen?

  • http://gesichtet.net Sascha

    Da hat dein Freund absolut recht mit seinem Kommentar. Das Handwerk bildet das Fundament der Gesellschaft. Was nützen dir die klügsten Köpfe des Landes, wenn niemand die Ideen dann auch handwerklich in die Tat umsetzen kann?

    Aus dem Grund finde ich es auch furchtbar, wie teilweise die Einstellung der Öffentlichkeit gegenüber Schülern ist, die nicht vom Gymnasium kommen. Zum einen sind die nicht automatisch “blöder” als Gymnasiasten (und das sage ich, der ich selbst auf dem Gymnasium war), zum anderen dafür nicht selten handwerklich geschickter.

    Ich bin jedenfalls immer dankbar für jeden ehrlichen, arbeitenden Handwerker, der mir in welcher Form auch immer hilft. Ich selbst habe nämlich kaum handwerkliches Geschick! Jeder Mensch hat so seine Stärken, die einen vielleicht eher im Kopfbereich, die anderen mehr im Handwerk. Wichtig ist doch nur, dass jeder nach seinen Stärken gefördert wird. Zwar können die Hände ohne den Kopf nicht viel anfangen, umgekehrt gilt das für den Kopf jedoch genauso. Das müsste mal bei jedem ankommen.

  • http://www.enterit.eu Tobi

    Ich kann mich Sascha bei der Meinung nur anschließen.
    Was wohl daran liegt das ich auch im Handwerk arbeite :)

    Aber viele hören ja eher auf einen BWL Schnösel als auf einen Techniker, hat schon oft Firmen teures Geld gekostet.

  • http://www.xyonline.de stang2k

    Ich wäre froh, wenn viele anders denken würden. Ich zum Beispiel erlebe es auch öfter mal, dass sich Schüler eines Gymnasiums oft für etwas besseres halten und gelernt haben sie das wohl von unserer Gesellschaft. Das Verhalten ist dabei aber vollkommen unangebracht.

  • Shusbasa

    Also ich bin eher neidisch auf Handwerker, die können so viele nützliche Sachen und können sich damit sogar selbstständig machen. Ich kann mit meinem Kackberuf gar nix anfangen, und privat nützt er mir auch nix.

  • http://www.wortschubse.de Anja

    Ich kann die Meinung deines Freundes nur teilen. Wo wären wir, wenn das Land nur aus Schlipsträgern bestehen würde? Man sieht ja wie weit sie uns gebracht haben ;)

    Da hab ich mehr Respekt vor einem Schüler, der 3,5 Jahre seine handwerkliche Ausbildung macht und dann was von seinem Job versteht, als vor einem Abiturienten, der nach 10 Semestern immer noch nicht weiß, was er eigentlich machen will.

    Ich sehs in der Schule bei meinen Kindern ja auch, da wird gedrillt mit Nachhilfe und was weiß ich, damit man ja auf die höher führende Schule kommt. Das ist Leistungsdruck, der da nicht hingehört :(

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  • http://my.opera.com/gourmetblog/blog/ Marena Totti

    Ich glaube, dass du vielleicht einer falschen Interpretation der Blicke unterliegst: Ich weiß von vielen Menschen, dass sie bei Handwerkern eine gewisse Distanz verspüren, weil diese in Ihren Augen häufiger mal unzuverlässig arbeiten. Speziell was die Einhaltung von Terminen angeht. Und das kann ich in Teilen (ganz sicher nicht allgemein) sogar nachvollziehen: Erst neulich habe ich von einem Elektroinstallateur ein Angebot erst nach knapp 3 Monaten erhalten – trotz 4-maligen Nachfragens, wobei ich immer wieder auf “Übermorgen” vertröstet wurde. Schrecklich.

    Ganz allgemein muss ich aber sagen, dass ich an der “Dienstleistung an sich” ganz, ganz selten etwas auszusetzen habe.

  • http://www.xyonline.de stang2k

    Es sind hier zwei verschiedene Dinge. Wenn ich in der Stadt mit meiner “Kluft” unterwegs bin, merke ich sehr wohl die Abneigung und bekomme die auch zu spüren ;). Menschen in solcher Arbeitskleidung gehören für einige zu der “unteren Schicht” und werden automatisch schlechter behandelt.

    Geht es um Dienstleistungen selbst, kann ich deine Sicht sicherlich auch nachvollziehen, was Pünktlichkeit angeht.

  • http://www.gewerke-forum.de Jenns

    Hallo,
    ich möchte mich zum Thema Handwerker auch mal zu Wort melden. Ich kann deiner Ausführung nur insoweit recht geben, dass man als Handwerker von oben herab angeschaut wird, wenn man einen schmutzigen und verlodderten Blaumann an hat. Ich rede jetzt noch nicht einmal von Staub, der beim Arbeiten halt an der Kleidung haftet sondern z.Bsp. von Löcher in der Latzhose und alten abgelaufenen Turnschuhen. Ich denke mal, da ist klar, dass man so angeschaut wird.

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